Kolumbianischer Hochlandkaffee, Geschichte, Anbau und Ernte

Hochlandkaffee aus Kolumbien                                                                 <  >

ist ein Inbegriff von Qualität und ein Genuss für jeden Kaffee-Freund. Ein reiches, rundes Aroma, eine gute Fülle und Spuren von leicht süßlichen Nussaromen, das sind die Eigen-schaften, die den hochwertigen, kolumbianischen Arabica-Kaffee auszeichnen.

Diesen hohen Stellenwert genießt er durch die Lage der Anbaugebiete in den Kordilleren, der Methodik des Anbaues, der Ernte und Verarbeitung.

Der in Kolumbien produzierte Kaffee wird in drei unterschiedliche Kaffeequalitäten unterteilt:
Der großbohnige Supremo und der weiche, säurebetonte Excelso sind gängige Qualitäten, die in zahlreichen Kaffeegeschäften geführt werden. Bei der dritten Qualität handelt es sich um die Durchschnittsqualität UGQ, was für "Usual Good Quality" steht.

 

Kaffee aus Kolumbien in Stichworten

Kaffeetyp: Arabica

Hauptblüte: Januar bis Mai

Nachblüte: Juli bis September

Haupternte: September bis Dezember

Nachernte: April bis Juni

Verschiffung: ganzjährig

Häfen: Buenaventura, Cartagena, Santa Marta, Barranquilla

Erntevolumen 2015: ca.13,5 Mio. Säcke (à 60 kg)

Hauptabnehmer: USA, Deutschland, Japan, Belgien, Frankreich, Italien, Spanien, Schweiz, Großbritannien, Niederlande

 

Die Klassifikation des Kaffees erfolgt nach Defekten, der Anbauregion und nach Siebgröße. Defekte ersten Grades, beziehen sich auf die Tassencharakteristik:

Schwarz, muffig, sauer.

 

Defekte zweiten Grades, beziehen sich auf das Erscheinungsbild:

Verfärbungen, Beschädigungen, Schädlingsbefall, Verformungen, nicht ausreichender Reifegrad

 

Ernteprozess:   Gepflückt wird von Hand, das Waschen erfolgt dagegen maschinell. 

Fermentation: 30 Stunden

Trocknung:      Sonnengetrocknet, unter Glas oder industriell mit Gaswärme

 

Sortierung:      automatisch und Auslese von Hand

Zur Entstehung des Kaffees

Ursprünglich wurde die Kaffeepflanze der Familie der Spindelbäume zugeordnet und später dann zu den Jasminen. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné  und Antoine de Jussieu reihten sie schließlich  in die Familie der Rubiazeen ein. Sie gaben ihr die Bezeichnung "Coffea". Unter dem Namen Coffea gruppieren sich über 60 Arten verschiedener Kaffeepflanzen, von denen aber nur etwa ein Dutzend für den Kaffeeanbau von Bedeutung sind. Der Kaffeebaum selbst, der eigentlich gar kein Baum, sondern ein Strauch ist, wird ca. 2-3 Meter hoch. Coffea Arabika erreicht mitunter sogar eine beachtliche Höhe von 5 Metern. Man erkennt ihn an den ca. 10 cm langen und dunkelgrün glänzenden Blättern und an den weißen Blüten, die ähnlich wie Jasmin duften. Aus den Blüten entstehen nach einigen Monaten ovale Steinfrüchte in Form von roten Beeren. Diese Früchte ähneln in Größe und Farbe den Kirschen und werden deshalb auch so genannt. Sie haben im reifen Zustand eine dunkel oder granatrote Haut, die das elastische und zuckerhaltige Fruchtfleisch umschließt. Im Fruchtfleisch eingebettet  befinden sich Samen, denen nun unser eigentliches Interesse gilt: zwei mit ihrer flachen Seite zueinander liegende Bohnen. Die Bohnen haben jeweils eine gewölbte und eine flache Seite. Jede Kaffeebohne ist der Länge nach gespalten und mit Pergamenthaut überzogen. Nach Entfernung dieser Haut erscheint die Bohne  je nach Sorte und Anbaugebiet grünlich, graugelblich oder schiefergrau. Die Lebensdauer eines Kaffeebaums in der Plantage beträgt ca. 15 Jahre.

Die Anbaugebiete des Kaffees in der Welt

Das Hauptanbaugebiet von Kaffee, auch die Kaffeezone genannt, zieht sich wie ein Gürtelzwischen dem 30. Breitengrad nördlich und südlich des Äquators um die ganze Erde. Zu den wichtigsten Kaffeelieferanten zählen Brasilien, Kolumbien, Indonesien, die Elfenbeinküste, Mexiko, Äthiopien, Vietnam und Guatemala.

 

Der Kaffeestrauch ist eine äußerst empfindliche Pflanze. Er gedeiht nur in den Tropen-zonen, da er Wärme und dauernde Feuchtigkeit bei regelmäßigen Temperaturen zwischen 17°C und 23°C benötigt. Am besten gedeiht er zwischen 600 und 1200 Metern Meereshöhe. Der Hochlandkaffee, "high grown" genannt, ist wegen seiner ausgezeichneten Qualität bei Kaffeekennern besonders beliebt. Eine echte wirtschaftliche Bedeutung haben jedoch nur zwei Arten von Kaffeebäumen: Kaffee Arabica (Coffea arabica), er wird als Hochlandkaffe von 1000 m bis 2000 m angebaut und Kaffee Robusta (Coffea robusta). Er wird unter 1000 m Meereshöhe angebaut. Beide stammen ursprünglich aus Afrika.

 

Kaffee Arabica (Coffea arabica)

Die Arabica Bohne stammt keineswegs aus Arabien, sondern aus Äthiopien, der Urheimat des Kaffees. Sie ist wesentlicher empfindlicher als die Robusta und gedeiht am besten bei einer Durchschnittstemperatur von 18°C bis 25°C. Die Arabika, die hauptsächlich in Südamerika angebaut wird, ist am längsten bekannt, am weitesten verbreitet und am meisten geschätzt. Ihre Bohnen haben eine schöne längliche und glatte Form, Aroma und Geschmack sind von ausgezeichneter Qualität mit einem geringen Koffeingehalt von 0,9 bis 1,4 %. Ihre Crema nimmt einen vollen rotbraunen Ton an.

 

Kaffee Robusta (Coffea robusta)

Die Pflanzengattung der Robusta wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt. Hier ist der Name äußerst treffend, denn die Robusta ist sehr viel widerstandsfähiger - wenn auch nicht ganz so wohlschmeckend - wie seine Verwandte, die Arabica. Die Robusta- Sorte ist schneller reif, nicht so anfällig gegen Parasiten und produktiver. Darüber hinaus kann man sie auch in tieferen Regionen anbauen. Das Ursprungsland der Robusta ist Zentralafrika. Angebaut wird er hauptsächlich in den tropischen Regionen von Afrika und Asien. Ihre Qualität ist eher mittel, ihr Geschmack bitter und herb, mit einem Koffeingehalt von 1,8 bis 4,0%. Die Bohnen sind hellbraun und haben eine rundliche, unregelmäßige Form. Die Crema hat einen herben, eher graubraunen Ton.

 

Für wohlschmeckenden, aromatischen Kaffee verwendet man also meistens die Arabica- Bohne. Kenner experimentieren aber auch gern mit unterschiedlichen, individuellen Mischungen, bei denen der Robusta- Kaffee seinen Anteil hat.

Anbau  

Die vorgezogenen Kaffeesetzlinge werden in tiefer, durchlässiger, neutraler oder leicht saurer Erde angepflanzt. Für ihr ertragreiches Gedeihen sind zahlreiche und intensive Pflegemaßnahmen notwendig. Dazu gehören das Jäten von Unkraut, das Entfernen der überflüssigen Zweige, um ein Höhenwachstum zu unterbinden, das Düngen der Erde, die Bewässerung in trockenen Gegenden, sowie der Kampf gegen Insekten und Krankheiten. Gegen Letzteres ist die Kaffeepflanze leider sehr anfällig. Aber auch Temperaturen unter +10°C können die Pflanze nachhaltig schädigen, ebenso wie minderwertige Erde.

Drei bis vier Jahre ausgiebige Pflege sind je nach Pflanzenart erforderlich, bis eine erste Ernte stattfindet, aber erst nach sechs Jahren kann mit einem normalen Ertrag gerechnet werden. Der Ertrag eines Kaffeebaums schwankt zwischen 400 g und 2000 g bei Arabica- und zwischen 600 und 2200 g bei Robusta- Kaffeebohnen. Die Blüte und Erntezeiten sind je nach Pflanzenart, Region und Breitengrad sehr unterschiedlich.

 

Die Kaffee- Ernte

Die Kaffee- Ernte ist ein echtes Ritual, bei dem keine Fehler passieren dürfen, wenn man den Kaffeetrinker am Ende einer langen Verarbeitungskette nicht verärgern möchte. Da die meisten Pflanzen zur selben Zeit reif werden, müssen die Kaffeekirschen rechtzeitig gepflückt und sofort weiterverarbeitet werden, da sie weder Lagerfähig transportierbar sind. Die immer noch aktuelle Handpflückmethode ermöglicht bei einer Vorauswahl ein Aussortieren der von Schädlingen befallenen Früchte. Direkt danach erfolgt die Aufbereitung. Vor Ort werden Fruchthaut, Fruchtfleisch und Pergamenthaut entfernt, damit man der eigentlichen Bohne das Wasser entziehen kann. Nicht überall auf der Welt werden die geernteten reifen Kaffeefrüchte auf die selbe Art und Weise aufbereitet.

 

Dazu gibt es zwei Methoden: Die "nasse" und die "trockene" Aufbereitung, wobei die "nasse" den Duft und den Geschmack besser zur Geltung bringen soll. Ein Großteil der qualitativ hochwertigen Sorten wird in Guatemala, Costa Rica, Kolumbien, Mexiko, Kenia und Tansania "nass" aufbereitet. Dieser gewaschene Kaffee, auch "milds" genannt, wird in einem Fließwasserbad mit Quetschwalzen gereinigt. Gleichzeitig trennt man hochwertige von minderwertigen, obenauf schwimmenden Früchten. Anschließend wird das vorgequollene Fruchtfleisch in großen Bottichen oder Becken völlig abgelöst. Nach diesem Vorgang lässt man die Kaffeebohnen einige Tage trocknen. Danach werden die Rohkaffeebohnen in einer Schälmaschine, von den spröde gewordenen Pergamentschalen getrennt. Bevor es zum wichtigsten Arbeitsgang bei der Kaffeeherstellung, dem "Rösten", kommt, wird das feine Häutchen, das so genannte Silberhäutchen, das die Bohne als letztes umschließt, entfernt. Ohne dessen Ablösung wäre der Kaffee nicht gebrauchsfähig. Nun ordnet man die Bohne auf ihre "Dichte" hin. Das bedeutet, dass lediglich Bohnen von gleicher Größe, gleichem Gewicht und gleicher Farbe übrig bleiben. Dieses ist eine Grundvoraussetzung für einheitliche Qualität. Wenn der Rohkaffee fertig aufbereitet, verlesen und klassifiziert ist, wird er in Jutesäcke gefüllt und auf Reisen geschickt. Geröstet wird er erst an seinem Bestimmungsort.

 

Neben der "nassen" Form der Aufbereitung gibt es die weniger aufwendige und  ursprüngliche Trockenaufbereitung. Sie wird vor allem in Brasilien und Westafrika  angewandt. Dabei werden die Kirschen gewaschen und drei Wochen lang  auf ausgedehnten Betonflächen in der Sonne getrocknet, bis man die in ihr enthaltenen Bohnen mit Hilfe einer Schälmaschine rückstandsfrei herauslösen kann.

 

Die Röstung

Annähernd 800 Aromastoffe befinden sich in einer Kaffeebohne. Sie werden erst durch die Erhitzung beim Röstvorgang freigesetzt und führen so zu einer fast grenzenlosen Geschmacksvielfalt. Bevor die Bohnen in die Rösterei gelangen, werden sie nach bewährten Hausrezepten gemixt. Bestimmte Qualitäten werden auf Grund des kräftigen Geschmacks gewählt, andere wegen der besonderen aromatischen Eigenschaften. Es gehört zum Stolz und Ergeiz eines jeden Kaffee- Röstmeisters, eine eigene Kaffeemischung zu komponieren. Die Kunst liegt darin, die Zusammenstellung verschiedener Kaffeesorten so vorzunehmen, dass ihre individuellen  Charaktereigenschaften vorteilhaft vereinigt werden. Die so erzielte Mischung wird "Blend" genannt und ist die Basis dafür, dass jedes Endprodukt anders schmeckt. Bereits bei der Mischung wird entschieden, ob ein starker und feuriger oder ein milder, magenschonender Kaffee die Tasse füllt. Auch das Herkunftsland spielt in Sachen Stärke eine wichtige Rolle. Aus Brasilien beispielsweise kommen die schärferen Sorten, während Mittelamerika und Afrika eher für dezente Milde bekannt sind. Seinen endgültigen Geschmack erhält der Kaffee erst beim Rösten. In der modernen Rösttechnologie wird das so genannte Wirbelschichtverfahren angewendet. Hierbei wird der Kaffee schwebend in einem Heißluftstrom geröstet. Dabei ist äußerste Vorsicht geboten, denn schon ein paar Sekunden zu viel oder zu wenig können den ganzen "Brand" verderben. Je nach Geschmacksansprüchen der Kaffeetrinker wird der Kaffee heller oder dunkler geröstet. Espresso wird beispielsweise stärker und länger geröstet als Kaffeebohnen für eine "normale" Tasse Kaffee.

Der eigentliche Röstvorgang dauert je nach Intensität nur sechs bis acht Minuten. Aufgrund der Wärmeentwicklung während des Röstvorgangs geraten die Kaffeebohnen "ins Schwitzen". Das in der Frucht enthaltene Wasser verdampft und das Gewicht reduziert sich um etwa 16%. Die ursprüngliche grüne Farbe der Kaffeebohnen wechselt in kräftiges Kaffeebraun. Nun entwickelt sich der typische Kaffeegeschmack und das charakteristische Aroma. Damit der frisch geröstete Kaffee sein Aroma behält, wird er auf schnellstem Wege luftdicht abgefüllt oder zu löslichem Kaffee weiterverarbeitet.

(Quelle:  Miele & Cie. KG, Gütersloh)

Die Namensgebung des Kaffees

Für den normalen Kaffeetrinker ist es gar nicht so wichtig, wo und wann sein Lieblingsgetränk erstmals entdeckt wurde. Es interessiert ihn sozusagen " nicht die Bohne", solange eine Tasse dieses heißen, dampfenden, aromatischen Gebräus vor ihm steht und sein Geschmack und das Aroma vollends zur Entfaltung kommen.

Um zu erfahren, wann der Kaffee entdeckt wurde, müsste man ganz ins Dunkel der Geschichte eintauchen. Eines jedoch glaubt man heute ganz sicher zu wissen, und zwar dass der Kaffee seinen Ursprung in Äthiopien oder genauer gesagt aus dem abessinischen Hochland und dort möglicherweise aus der Provinz Kaffa, der er möglicherweise seinen Namen zu verdanken hat, stammt. Von dort aus nahm der Kaffee seinen Weg nach Arabien, wo er erstmals als Getränk zubereitet wurde. Die Araber erkannten seine stimulierende Wirkung und den außergewöhnlichen Geschmack.

Wie der Kaffee nun zu seinem Namen kam, ist bis heute nicht eindeutig erforscht. Bei der ersten Version verdankt er seine Namensgebung möglicherweise seinem Ursprungsort, der Provinz Kaffa in Äthiopien. Und bei der zweiten stammt das Wort Kaffee höchstwahrscheinlich von einem arabischen Wort, sei es " Kahva - Kohoveh - Kaffa - oder Kahwa" ab, das nach und nach durch die Aussprache der Völker abgeändert wurde. Das arabische Wort "Kahwa" lässt sich Sinnvollerweise mit Stärke und Lebenskraft übersetzen. Demnach dürfte der tatsächliche Ursprung des Wortes Kaffee wohl eher im Arabischen zu finden sein.

Nur wenige Kaffeegenießer haben eine konkrete Vorstellung davon, wie ein Kaffeestrauch aussieht. Eigentlich kennt man den Kaffee meist als ganze Bohne oder als wohlriechendes tiefbraunes Pulver, mehr oder weniger fein gemahlen. Die Tatsache jedoch, dass die Kaffeebohne aus der Kaffeekirsche gewonnen wird, deren Kern sie sozusagen bildet, ist vielen Menschen nicht bekannt.

 

Historie des Kaffeeanbaus in Kolumbien

Bis vor wenigen Jahren war Kolumbien im weltweiten Vergleich der zweitgrößte Kaffee-Erzeuger - gleich nach Brasilien. Ihren Anfang nahm die Erfolgsgeschichte des Kaffeeanbaus in der südamerikanischen Republik durch einen Geistlichen, der 1808 die ersten Kaffeepflanzen von den französischen Antillen über Venezuela ins Land brachte. Von diesem Moment an hatte der Kaffeeanbau in Kolumbien Tradition. Aktuell (2012) liegt der Andenstaat im internationalen Ranking der größten Kaffeeerzeuger auf Platz vier.

Was jedoch geblieben ist: Kolumbianischer Kaffee besticht durch seine hervorragende Qualität, er gilt als einer der besten der Welt. Er gehört zu den wenigen sortenreinen Kaffees, die international verkauft und vermarktet werden. Die Anbaugebiete liegen im Herzen Kolumbiens, dem so genannten Kaffeedreieck, bestehend aus den Departements Risaralda, Quindio und Caldas. Kolumbien ist der größte Erzeuger von Arabica-Bohnen weltweit. 66 Prozent der kolumbianischen Kaffeesträucher wachsen auf modernen Plantagen, der Rest wird nach wie vor in traditionellen Kleinst- und Familienbetrieben produziert.

 

Handverlesene Kaffee-Kirschen

Das Besondere an den kolumbianischen Kaffeesträuchern: An ihnen hängen Blüten sowie reife und unreife Kaffeekirschen gleichzeitig. Auch deshalb muss von Hand geerntet werden. In jeder Kirsche sind zwei Bohnen. Nachdem das Fruchtfleisch abgequetscht wurde, kommen die Bohnen mitsamt der Fruchtfleisch-Reste für 15 bis 36 Stunden in einen Fermentationstank.

Hier geschieht ein Gärungsprozess, der dem Kaffee zusätzliches Aroma verleiht. Nach dem anschließenden Waschen folgt die Freilufttrocknung an ungewöhnlichen Orten: auf den flachen Hausdächern der Kaffeebauern. Wenn Regen droht, werden einfach Walmdächer auf Rollen über die trocknenden Bohnen geschoben. Schließlich wird der Kaffee in Säcke gepackt und in die nächste Stadt gefahren.

 

Käufer dieser Kaffees sind Privatfirmen und der National Coffee Fund über Kooperativen, die dann ihrerseits den Kaffee an die Zentrallager des Coffee Funds (Almacafe) liefern. Die Kooperativen bieten allen Kaffeebauern eine Abnahmegarantie und legen einen Mindestpreis für Kaffee fest, der von diesem Fond unterstützt wird. Verwalter dieses Fonds ist die FNC (Federacion Nacional de Cafeteros de Colombia). Die FNC unterstützt die Farmer aber auch mit Unterricht und Service. Das Wissen, wie man Kaffee richtig anbaut, wird in Kolumbien nicht nur von Generation zu Generation weitergegeben, sondern durch die FNC gezielt ausgebaut. Die Vereinigung unterhält zudem Analysestationen, bei denen die Bauern die Qualität ihrer Böden untersuchen lassen können und Tipps für die Düngung bekommen.

 

Qualitätsprüfungen vor Ort

Wichtig für die Weiterverarbeitung der geernteten, gewaschenen und getrockneten Kaffeebohnen sind die "Trilladoras" in den größeren Ortschaften. Hier wird der Kaffee exportfähig aufbereitet. In einer Trilladora wird die Qualität des angebotenen Kaffees eingehend geprüft.

Dazu wird von jedem der FNC-Lastwagen, die jeweils 10 Tonnen Kaffee geladen haben, eine 500-Gramm-Probe entnommen. In einer Proben-Mühle werden die Pergamenthäutchen um die grünen Kaffeebohnen entfernt. Dann werden die "defekten" gelben und schwarzen Kaffeebohnen aussortiert. Die "gesunden" grünen Bohnen werden geröstet und gemahlen - und dann wird daraus Kaffee gekocht und fachmännisch verkostet. Erst wenn alles fehlerfrei ist, wird grünes Licht zur Verarbeitung der gesamten Partie gegeben. Dies ist nur der erste Schritt der Qualitätssicherung. Nach der Verarbeitung werden die lose in Silos lagernden Bohnen in Container gefüllt, die jeweils 21 Tonnen fassen. Während des Verladens werden wieder Proben gezogen und auf ihre Güte geprüft. Sowohl eigene Mitarbeiter als auch Qualitätsleute der FNC (Almacafe) prüfen nochmals unabhängig voneinander die Exportfähigkeit der Ware. Bei Auffälligkeiten kann die Lieferung immer noch gestoppt werden. Die FNC prüft die Ware, um zu gewährleisten, dass der hohe kolumbianische Standard gehalten wird. So bleibt die Marke "Kaffee aus Kolumbien" stark und konkurrenzfähig.

Kaffee - der Weg zur guten Qualität, ein Beitrag eines Kleinrösters aus Österreich

Wer kennt einen guten Kaffee? Wie definiert man guten Kaffee? Was unterscheidet einen Kaffee aus Industrieröstung von der Röstung eines Kleinrösters?

Ja, Geschmäcker sind verschieden, das mag schon stimmen. Jedoch weist guter Kaffee folgende Attribute auf:

 

1. Hochwertige Rohware (bevorzugt Arabica, was jedoch nicht heißt, dass Robusta

    minderwertig sein muss)

2. Schonendes Trommelröstverfahren

3. Frisch geröstete Kaffeebohnen

4. Das richtige Equipment bzw. die richtige Zubereitung

 

Hier die Erläuterungen zu den o. g. Stichpunkten:

Hochwertiger Rohkaffee hat seinen Preis. Je nachdem, ob Maschinenernte oder eine Ernte von Hand, wie in Kolumbien, variiert der Einkaufspreis des Kaffees. Ebenso, ob es Kaffee aus organischem Anbau ist, Kaffee eines bestimmtem Anbaugebietes oder gar nur einer bestimmten Kaffeefinca.

Hochwertige Arabicabohnen tragen Bezeichnungen wie z. B. SHG (strictly high grown), SHB (strictly hard bean), Excelso oder Supremo (Bezeichnung kolumbianischer Bohnen über deren Größe). Diese Angaben werden Sie auf Supermarktkaffee kaum finden.

 

Das schonende Trommelröstverfahren bewirkt, dass die Bitterstoffe langsam an die Bohnenoberfläche treten können und diese auch verschwinden. Dieser Vorgang dauert je nach Bohne zwischen 15 und 20 Minuten bei einer Temperatur um 200° Celsius. Durch Abgabe von Wasser und Ölen verliert die Bohne zwischen 12 und 17 % an Gewicht, wird aber um bis zu zwei drittel größer. Um den Gewichtsverlust zu kompensieren, behilft sich die Kaffeeindustrie zweier Methoden: Zum einen die Wasserdampfkühlung. Hier wird mehr Wasser zugeführt, als notwendig ist. Zum anderen werden, um Einbrennverluste zu kompensieren, Maltodextrin (eine Zuckerart zur Nahrungsergänzung) und Karamell zugeführt. Beides erhöht das Gewicht und ist eine Täuschung des Endkunden! Kaffeevollautomatenhersteller, wie etwa Jura, warnen explizit, diese Bohne nicht zu verwenden, da diese das Mahlwerk der Maschine zerstören können.

 

Wie Herr Prof. Leopold Edelbauer vom Wiener Kaffeeinstitut fordert, sollten alle Kaffee-packungen mit dem Röstdatum angegeben sein. Trotz Lebensmittelechter PET/PE Verpackung verliert die Bohne an Aroma und Geschmack, je länger sie lagert. Gemahlener Kaffee ist da besonders empfindlich.

 

Beim Kleinröster Ihres Vertrauens bekommen Sie in vielen Fällen Probierpakete, wo auch die geeignete Zubereitungsmethode erklärt wird. Probieren Sie einmal Kaffee aus der Italienischen Mokkakanne oder gießen Sie Ihren Kaffee im Filter auf. Garantiert ist, mit frischem Kaffee (fast) keinen Fehler zu machen. Ein kleines 1x1 wie z. B. dieses ist hilfreich:

 

Weitere Faktoren:
Der Mensch - jeder bedient eine Kaffeemaschine (Espressomaschine) anders

Die Maschine - hier ist die Auswahl unerschöpflich. Von der günstigen Mokkakanne bis hin zum professionellen Gastrogerät oder dem Vollautomaten sind gute Ergebnisse erzielbar.

Die Mahlung - diese ist von Gerät zu Gerät unterschiedlich und hängt von der Zubereitungs-art ab.

Die Mühle - um den Kaffee so frisch wie möglich zu konsumieren, sollten Sie diesen erst kurz vor der Verarbeitung mahlen. Hierzu eigenen sich Handmühlen oder sogenannte Direktmahler.

 

Angaben zum perfekten Espresso

Kaffeemenge: ca. 7 g

Wassertemperatur: 90°C

Druck auf das Mahlgut im Siebträger: ca. 20 kg
(kann mit einer Badezimmerwaage gemessen werden)

Wasserdruck der Maschine: ca. 9bar

Durchlaufzeit durch den Siebträger: 25 Sekunden

Volumen in der Tasse: 30 Milliliter

 

Die Unterschiede der industriellen Röstung zur Kleinröstung zusammengefasst:

Industrie

Die Kaffeeindustrie verwendet weniger hochwertige Arabicabohnen, mischt diese mit preiswerten Robustabohnen, die als Füllstoff dienen und röstet diese zusammen. Die Röstung wir in einem Heißluftröster(aerotherme Röstung) vorgenommen. Die Rösttemperatur liegt bei 450°C und dauert ca. 2,5 Minuten. Dieses nennt man Kurzzeitröstung.

 

Kleinröster

Verwenden hochwertigste Arabicabohnen, rösten diese einzeln und mischen sie nach der Röstung zu einem köstlichen Kaffee zusammen. Schonende Trommelröstung ab ca.180°C, 15 - 20 Minuten. Dadurch baut sich die Kaffeesäure fast vollständig ab und dadurch sind bei diesen Röstungen Magenprobleme und Sodbrennen kein Thema mehr.

 

Verpackungen

Natürlich wird der Liebhaber von gutem Kaffee nur ganze Bohnen kaufen, diese selbst mahlen und nach seinen Wünschen zubereiten. Kaffee in Vakuumverpackungen lässt sich lange lagern, ohne zusätzlichen Aromaverlust. Ein Teil des Aromas wird jedoch durch diese Art der Verpackung herausgezogen.

 

Das Thema Kaffee kann man als Wissenschaft betreiben. Der "Normalverbraucher" wird in der Regel mit Kaffee großer Unternehmen wie Tchibo, Dallmayr usw. gut bedient sein. Der Feinschmecker wird eher zu hochwertigem Kaffee und Röstungen greifen. Hierzu gibt es Kleinröstereien, die alle Wünsche an Qualität erfüllen.

Ebenso können Sie auch entsprechende Seminare besuchen, in denen das Wissen über die perfekte Zubereitung des Kaffees, sowie auch die Sorten, Herkunftsländer, Anbau, Ernte und Verarbeitung vermittelt werden.

 

Weitere Links zum Thema Kaffee:

Kaffeenetz

Der Kult um den Kaffee

Kundentäuschung mit Melange

Infos über Koffein

Fairtrade-Kaffee